Projekte der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Erfurt

Erfurter GeDenken

13. Dezember 2009

Radiobeitrag zum Erfurter GeDenken

Secilia Pappert hat einen detaillierten Radiobeitrag mit Interviews mit Martin Borowsky, Wolfgang Nossen und Robert Hollmann erstellt. 





29. November 2009

Radio Shalom-Interview mit Dr. Martin Borowsky

Am Dienstag, dem 3. November 2009, interviewte Lutz Balzer vom Radio Shalom Dr. Martin Borowsky zum Erfurter GeDenken und zur Einweihung der ersten Denknadeln. 





Von der Idee zur Verwirklichung: Einweihung der ersten DenkNadeln am 9.11.2009

Die Aufträge für die ersten vier DenkNadeln sind ausgelöst, damit sie am 9. November öffentlich aufgestellt werden können.

Fa. Hollmann stiftet die erste für Familie Spier in der Straße des Friedens 1, der Evanglische Kirchenkreis Erfurt die zweite in Nähe des letzten jüdischen Betraums, die Kommunalpolitiker/innen eine dritte am Domplatz 23 mit Bezug auf ein deportiertes vierjähriges Kind und Mitglieder und Interessenten des Arbeitskreises Erfurter GeDenken 1933- 1945 werden gemeinsam mit Mitgliedern der Ev. Thomasgemeinde Erfurt eine vierte DenkNadel vor der Puschkinstraße 16 für den letzten Schulraum des Lehrers Leopold Stein finanzieren.

Wenn Sie sich daran beteiligen möchten richten Sie Ihre Spenden bitte an das folgende Konto:

Empfänger: EEBT (Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen)
Kto-Nr.: 10 800 59 74
BLZ: 820 608 00
EKK Eisenach (Evangelische Kreditgenossenschaft eG)
Stichwort: 'Erfurter GeDenken'
Bei Spenden über 100€ können auf Wunsche Spendenbescheinigungen ausgestellt werden





Künstlerischer Wettbewerb

"Erfurter GeDenken 1933-45"

Preisträger
1. Preis: Sophie Hollmann: "Zeichensetzung" - Entwurfsbeschreibung und Foto
2. Preis: Frank Wiegand: "Ein König David Bericht" - Entwurfsbeschreibung und Foto
3. Preis: Petra Hermann: "Gedächtnisstützen" - Entwurfsbeschreibung und Foto


Beiträge der weiteren Teilnehmer
Karl-Heinz Appelt - Entwurfsbeschreibung und Foto
Geschwister Bruder
Gernot Ehrsam - Foto
Mario Lahn und Frank Mühlfriedel - Entwurfsbeschreibung
Kati Münter - Entwurfsbeschreibung und Foto
Michael Ritzmann - Entwurfsbeschreibung und Foto
Michael Strobelt - Entwurfsbeschreibung und Foto


Ergebnisprotokoll der Jurysitzung

Die Preisträger des künstlerischen Wettbewerbs „Erfurter GeDenken 1933-45“ sind gekürt. Die Jury prämierte den Entwurf von Sophie Hollmann, das Preisgeld in Höhe von 2.500 EUR wurde von der Kunstkommission der Stadt Erfurt zur Verfügung gestellt.


Projektgeschichte

Anfang 2007 luden Deutsch-Israelische Gesellschaft und Evangelische Erwachsenenbildung Thüringen zu einem Initiativkreis mit dem Ziel ein, im Erfurter Stadtraum Erinnerungszeichen für die verfolgten, deportierten und ermordeten Erfurter Juden zu schaffen.

Die Motivation für diese Initiative liegt in der Beobachtung, dass Erfurt mit Blick auf die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus eine beinahe "gedenklose" Stadt ist - ein sichtbares Zeichen im Stadtraum fehlt. Der Arbeitskreis hat sich die Aufgabe gestellt, durch eine breite öffentliche Diskussion um eine angemessene Form des Gedenkens zu einer lokal verorteten Erinnerungskultur beizutragen.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger, darunter Vertreter einschlägiger Vereine, der Kirchen, sämtlicher Stadtratsfraktionen sowie der Stadtverwaltung kamen seither zusammen, um inhaltliche Festlegungen zu treffen sowie die ästhetische Umsetzung zu diskutieren.

Die Projektbeschreibung zum Erfurter GeDenken finden Sie hier. Die Protokolle der bisherigen Sitzungen:

16. April 2007 , 14. Mai 2007 , 14. Juni 2007 , 9. Juli 2007 , 20. September 2007 , 15. Oktober 2007 , 6. November 2007 , 11. Dezember 2007

18. Januar 2008 , 12. März 2008 , 2. Juli 2008 , 4. September 2008 , 4. Dezember 2008

19. Januar 2009 , 11. Februar 2009 , 1. April 2009 , 6. Mai 2009 , 4. Juni 2009 , 23. Juni 2009 , 11. August 2009, 7. Oktober 2009

20. Januar 2010 , 19. April 2010 , 8. Juni 2010 , 9.September 2010 , 6. Oktober 2010

20. Februar 2011 , 10 März 2011 , 05. Mai 2011 , 08. September 2011

19. Januar 2012 , 19. April 2012







15. Oktober 2007

Beitrag über das Projekt in den Erfurter Blättern


„Es ist geschehen,
und folglich kann es wieder geschehen,
darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“
Primo Levi

Es ist an der Zeit, der deportierten und ermordeten Erfurter Juden zu gedenken, Ihnen stadtweit ein Gesicht zu geben. Wer weiß schon, dass das Leben von über 1000 Erfurtern, darunter vielen Kindern, ausgelöscht wurde – mitten im christlichen Europa? Wer erinnert sich daran, dass sich die Erfurter Christen am Tag nach der Reichspogromnacht - mit brennender Synagoge, Massenverhaftungen (unter Mitwirkung eines Organisten und SA-Truppführers), Folter und Mord - auf dem Domplatz zur Martinsfeier versammelten, als wäre nichts geschehen? Wie erging es den Erfurter „Judenchristen“ - getauft, konfirmiert, ermor-det? Wem ist bewusst, dass zahlreiche Familien in den drei großen „Ghettohäusern“ Johannesstraße 98/99, Kartäuser Straße 69 und Herderstraße 24a zusammengepfercht wurden, dort auf Deportation und Tod warten mussten? Wer kennt schon ihren Leidensweg von Ausgrenzung, Verfolgung, Terror, Massenmord und Shoah? Wer kennt etwa das tragische Schicksal der Familie Dublon, wohnhaft im schönen Dichterviertel, deren Flucht nach jahrelanger Odys-see scheiterte und die in Auschwitz am 17. Januar 1944 „verschollen“, Lotte mit 16, Eva mit 10 Jahren?

Bisher präsentiert sich Erfurt geschichtslos, ja geschichtsvergessen, und im Öffentlichen Raum findet sich kaum ein Erinnerungszeichen. Das „dunkle Erfurt“ blieb bisher schlicht ausgespart. Dem wollen wir abhelfen, und diese schmerzliche Lücke in der städti-schen Erinnerungslandschaft schließen – wie es jüngst Pirna oder Dresden beispielhaft getan haben.

Auf Anregung der Evangelischen Erwachsenenbildung Thüringen und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Erfurt, hat sich daher im April dieses Jahres ein Arbeitskreis gebildet, dem Vertreter verschiedener Vereine, der Kirchen, sämtlicher Stadtratsfraktionen sowie der Stadtverwaltung angehören. Die Initiative liegt weiterhin bei der Zivilgesellschaft, wobei seitens der Stadt unter Federführung der Kulturdirektion eine bestmögliche Unterstützung erfolgen soll. Die Anschubfinanzierung erfolgt über Fördermittel, während die einzelnen „Denkzeichen“ privat finanziert werden sollen.

Das Projekt nimmt nunmehr Gestalt an. Bereits im Sommer hat sich der Arbeitskreis auf eine gemeinsame Projektbeschreibung verständigt. Wesentlich ist der Dreiklang aus Namen, Orten und Schicksalen. Auf der ersten Ebene werden alle Opfer dem Vergessen entrissen, indem ihre Namen an einem zentralen Ort des Gedenkens und Erinnerns genannt werden, der Alten Synagoge. Auf der zweiten Ebene werden exemplarisch Orte kenntlich gemacht, die als Stätten der Demütigung, des Leidens, der Gewalt und Deportation missbraucht wurden – die so genannten „Judenhäuser“ oder die Turnhalle, in der die männlichen Erfurter Juden im Zuge der Reichspogromnacht zusammen getrieben und bestialisch gefoltert wurden. Der dritte Schritt ist die conditio sine qua non: Die individuellen Schicksale sind das Fundament des gesamten Projekts. Das Gedenken an die Opfer darf sich nämlich nicht im Abstrakten und Pauschalen verlieren. Es muss vielmehr die unterschiedlichen Einzelschicksale dokumentieren, die konkreten Orte und Wege des Lebens und Leidens benennen. Auf dieser dritten Ebene geht es um ästhetisch anspruchsvolle und individualisierte Objekte des Gedenkens, in möglichst unmittelbarer Nähe der Lebens- und Wirkungsstätten Betroffener. Denkzeichen als „materielle Zeitzeugen“.

Das Vorhaben „Erfurter GeDenken“ schließt weitere Formen des Gedenkens keineswegs aus, etwa ein zentrales Holocaustmahnmal auf dem Anger, das den Zivilisationsbruch symbolisiert, oder einen Chanukkaleuchter an gut sichtbarer Stelle, die unsere tiefe Verbindung mit dem Judentum in religiöser wie kultureller Hinsicht zum Ausdruck bringt, wie von Pröpstin Begrich vorgeschlagen. Im Übrigen erscheint es wichtig, eine Verbindung zu dem einzig-artigen Ensemble jüdischen Lebens in Erfurt (vor allem: Alte und Kleine Synagoge, Mikwe, „Judenschatz“), aber auch zur „Topografie des Terrors“, den Täterorten wie „Topf & Söhne“ herzustellen.

Wir haben uns als ein Ziel gesetzt, zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht - am 9. November 2008 - die ersten Denkzeichen im öffentlichen Raum einzuweihen. Im Interesse der Nachhaltigkeit hat das Projekt prozesshaften Charakter: Jahr für Jahr sollen weitere Denkzeichen und Orte hinzukommen, unter größtmöglicher Einbindung der Bevölkerung. Das Erfurter GeDenken soll Spuren hinterlassen – in der städtischen Erinnerungskultur wie auch in den Köpfen und Herzen der Erfurter.

Dr. Martin Borowsky





Zeitzeugen gesucht

Kirche – Christen – Juden in Erfurt 1933 – 1945

Im Zuge des Erfurter GeDenkens soll das Schicksal Erfurter „Juden-christen“ erforscht werden. Daher die herzliche Bitte an Zeitzeugen, mit weiterführenden Informationen zum Gelingen beizutragen. Auch Privatarchive, Nachlässe und Dokumente aus jener Zeit sind von großem Wert, nicht zuletzt mit Blick auf eine geplante Ausstellung zum Thema „Kirche – Christen – Juden in Erfurt“.

Bitte wenden Sie sich an:
Deutsch-Israelische Gesellschaft AG Erfurt
c/o Begegnungsstätte Kleine Synagoge

An der Stadtmünze 4/5
Erfurt
Thüringen
Germany
99089

E-Mail : digerfurt@googlemail.com




 
 

Informationen des Präsidiums